Die Presse über die Vibration Society Münster

Der Patriot, Lippstadt, News Lokal / Kultur vom 13.12.2005:

Ausnahmejazz für Kenner

Die „Vibration Society Münster“ widmete sich dem Saxofonisten Rahsaan Roland Kirk

„Vibration Society Münster“: Matthias Rethmann (bass), Manni Wex (sax), Ben Bönniger (drums) und Ulli Stemmeler (sax). Nicht im Bild: Guido Schlegel am Klavier. Foto: RixenLIPPSTADT Dem umfangreichen kompositorischen Werk von Rahsaan Roland Kirk, einem der originellsten Jazzsaxophonisten der 60er und 70er Jahre, hat sich die Formation „Vibration Society Münster“ verschrieben, die am Sonntag in der Werkstatt spielte.Leider hatten sich nur wenige Zuhörer eingefunden, doch das änderte nichts an der Spielfreude der fünf Musiker. Auf gewohnt hohem Niveau boten Ulli Stemmeler (Saxophon), Manfred Wex (Saxophon), Matthias Rethmann (Kontrabass), Ben Bönniger (Schlagzeug) und Guido Schlegel aus Lippstadt (Piano) ein Jazzkonzert der Extraklasse.
Los ging es mit dem temporeichen „Pedal Up“, gefolgt von dem ruhigeren Stück „Moon Song“, das etwas klassischer daher kam.
Der Formation gelang es, den Facettenreichtum des Ausnahmemusikers Kirk abwechslungsreich und frisch zu vermitteln. Bei „Tears Sent By You“ ließ Ulli Stemmeler im Solo sein Saxophon wunderbar schräg kommen.
Zum Ende des erstens Sets gab es mit „Hip Chops“ ein jüngeres Stück von Kirk, in dem Ben Bönniger durch sein präzise gespieltes Schlagzeugsolo begeisterte.
Nach der Pause startete die Band mit „Sweet Fire“, gefolgt von Rahsaan Roland Kirks wahrscheinlich bekanntestem Stück, der „Serenade To A Cuckoo“. Bei diesem anspruchsvollem Song, der auch von Jethro Tull in einer eigenen Bearbeitung gespielt wurde, swingte es richtig.
Bei „If I Loved You“ kam dann der Bassist Matthias Rethmann voll zum Zuge und legte ein virtuoses Solo hin. Ein absoluter Höhepunkt des Abends war „Portrait Of Those Beautiful Ladies“, arrangiert von Guido Schlegel. Das äußerst komplexe Stück stellte hohe Anforderungen an die Musiker, die sie jedoch mit viel Können und Besessenheit meisterten. Wären da nur nicht die zickigen Notenblätter gewesen, die der Schwerkraft folgten.
Der Applaus war den Fünfen sicher und bei der Zugabe „Fly Town Nose Blues“ kam dann das echte Kirk-Feeling auf: Stemmeler spielte - ebenso wie früher Kirk - auf zwei Saxophonen gleichzeitig.

rix